Höher. Schneller. Weiter. Ein Innovationsworkshop zur Zukunft der Mobilität.

Wie die Zukunft der Mobilität aussieht? Ich – Martin – weiß es nicht, doch scheinbar habe ich in den letzten Jahren eine gewisse Expertise zur Gestaltung meiner Lebenszeit in einem Automobil erworben und wurde angefragt, ob ich mich dazu nicht auf einem Workshop eines Premium Automobilzulieferers äußern möchte. Irgendwie erschien mir die Idee auf den ersten Blick recht spannend, wohl auch, da ich mich als „Experte“ schon ein wenig geschmeichelt fühlte und neue Erfahrungen ja auch immer eine Chance der Weiterentwicklung darstellen. Doch schon nach einem kurzen Überflug über die Website war klar: Hier wird ein Anspruch gestellt, dem ich nicht folgen möchte. Schlagworte wie Innovation, Technologie, Zukunft, Nachhaltigkeit, Ökologie und Leichtbau klingen im ersten Moment natürlich wegweisend und auch ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass es in der Welt ein wenig „besser“ zu geht. Genau deshalb produziere ich keine Werbefilme mehr, die doch alle nur einem Zweck dienen. Was steckt meist wirklich hinter dem Deckmantel dieser gängigen Phrasen, die wir so oft um uns herum vernehmen? Geht es wirklich um Fortschritt? Oder geht es um Gewinnmaximierung?Schlagworte wie Innovation, Technologie, Zukunft, Nachhaltigkeit, Ökologie und Leichtbau klingen im ersten Moment natürlich wegweisend und auch ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass es in der Welt ein wenig „besser“ zu geht. Doch was steckt meist wirklich hinter dem Deckmantel dieser gängigen Phrasen, die wir so oft um uns herum vernehmen? Geht es wirklich um Ökologie? Oder geht es um´s Verkaufen?

Sehr geehrter Herr Zech,
die DR*****ER Group veranstaltet einen Lead-User Workshop – am Donnerstag, den 16. Mai 2019. Das Thema ist „Arbeiten im Auto – Well-being und Interaktion“. Hierbei betrachten wir sowohl aktuelle als auch zukünftige Fahrzeuggenerationen – insbesondere im Kontext des autonomen Fahrens … Es erwarten Sie zukunftsweisende Diskussionen mit einer motivierten Gruppe aus externen Teilnehmern und DR*****ER Mitarbeitern in einem interaktiven Workshop.
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme – Querdenken und Kreativität sind erwünscht. Dazu sind Sie herzlich eingeladen!
Mit freundlichen Grüßen
Best regards,
Lutz ***
Head of Design
DR*****ER Group

Ich hätte mit einem einfachen „Nein, vielen Dank auch“ antworten können, aber irgendwie erschien mir diesmal ein längerer Text sinnvoll. Nicht, um irgendjemanden zu beindrucken, zu verspotten oder meinen Frust abzulassen. Ich habe genau das geschrieben, was sich für mich richtig anfühlt. Und Ehrlichkeit walten zu lassen ist nicht immer einfach. Auch ich sitze im selben Boot und mein Leben ist sicherlich nicht das „Grünste“, mit einem 20 Jahre alten Auto, welches Diesel verbrennt. Doch sollten wir uns immer und immer wieder im Leben die Frage stellen: Was tue ich hier eigentlich mit meiner Zeit? Wem nützt sie? Und … lebe ich wirklich nach bestem Wissen und Gewissen mit meinen Mitmenschen und der Umwelt?

 

Sehr geehrter Herr Sch****,
vielen Dank für die Mail. Nun konnte ich einen Blick auf ihr 4 Milliarden Euro Unternehmen werfen.
Als Weltreisender, Minimalist, Kapitalismus- und Konsumkritiker kann ich mit Ihrem Konzept „Zulieferer für Premium Automobile“ nicht viel anfangen. Es ist schön, dass sie sich scheinbar für Nachhaltigkeit einsetzen, aber meines Erachtens am falschen Ende. Brauchen wir wirklich noch mehr Wohlfühl-Luxus-Karossen und technische Spielereien in Autos um die Welt besser zu machen? Oder sollte man nicht einfach mal anfangen Dinge länger zu nutzen (Autos fahren, bis sie kaputt gehen und sie dann wieder reparieren), als ständig etwas Neues zu produzieren, dass kein Mensch braucht und einige Jahre später sowieso wieder im Müll landet (Soundsysteme, Monitore, edle Oberflächen und was weiß ich was für ein Spaß …). In der Einfachheit liegt große Kraft. Das übersieht man gern.
Gerade schreibe ich Ihnen aus der Mitte der Sahara in Tunesien und lese ihren Claim „WE CREATE CHARACTER“. Wenn Querdenken wirklich erwünscht ist, muss ich ihnen hiermit mitteilen, dass ihr Konzept meinen Vorstellungen nicht entspricht: Sinnvoll – für mich und für unsere Welt wäre ein einfaches Auto. Nachhaltig produziert. Gern mit lokalen Naturfasern oder Recycling Materialien. Kostengünstig. Langlebig. Mit so wenig wie möglich technischem/elektronischem Quatsch, statt 300kg Elektronik pro Karosse. Leicht und effizient. Das hätte Charakter. Und es muss noch nicht mal selber fahren … denn selbst das ist nur eine „Innovation“ um dem westlichen Konsumenten irgendetwas Neues verkaufen zu können; gedacht für die 5% am oberen Ende der Nahrungskette, die es sich leisten können, während der Rest der Menschheit um´s Überleben kämpft…
Well-being geht für mich woanders los und findet nicht auf Kosten anderer statt (Naturfasern aus Bangladesch zu verbauen ist leider nur möglich, wenn ein Anderer für einen Euro am Tag dafür mit einfachsten Mitteln schuftet). Doch leider scheint sich dafür kein Autozulieferer zu interessieren, da man mit Premiummobilen gut Geld verdienen kann.
Mit besten Grüßen
Martin Zech

 

Ich für meinen Teil möchte mich nicht länger vor einen Karren spannen lassen, den man versucht aus dem Dreck zu ziehen, indem man allen, die daran ziehen verspricht, dass, wenn sie sich nur ordentlich anstrengen, alle irgendwann obendrauf sitzen dürfen.

 

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