>> Warum wir immer noch Autofahren; Energie verschwenden und was Greta dazu sagen würde.

Immer wieder erreichen uns Kommentare und Fragen (vorallem von anonymen, erzürnten YouTube Nutzern), wie wir es uns erlauben, über Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu reden, wo wir doch selbst an Mineralölprodukte gebunden sind, das Internet nutzen und ja überhaupt immer noch Energie verbrauchen. Darf man seine Gedanken äußern, auch wenn man es selbst nicht perfekt macht?

Und was soll das eigentlich sein?
Perfekt?
0,00 Energieverbrauch?

Da sind wir wohl alle weit davon entfernt. Die Menschen, die WIRKLICH wenig Energie verbrauchen, sind gesellschaftliche Randerscheinungen. So sieht sie zumindest „die Gesellschaft“, scheint mir.

Um es nüchtern zu betrachten:
In unseren Breitengraden sind die „sparsamen“ Menschen die, die einfach nichts/wenig kaufen oder nichts/wenig/selbst produzieren (können). Ich würde mir etwas vorlügen, wenn ich vorgäbe, ich gehörte dazu. Ich denke an Menschen, denen schlicht und einfach das Geld für Technikspielzeug, Weltreisen und riesige Passivhäuser fehlt. Wie viele diesen Weg aus Überzeugung eingeschlagen haben? Wie viele einfach mit „Nichts“ gestrandet sind und sich eigentlich mehr wünschten?

Die, die nicht der Leistungsgesellschaft entsprechen, sogar Vorbilder sein könnten – zumindest im Fach Energiesparen – werden unbeachtet gelassen oder gar verurteilt. Es sind die, die nicht jedes Jahr hunderte Euros für Weihnachtsgeschenke ausgeben (können), oder unser aller „Spielzeug“ mit produzieren.

Man sollte den moralischen Zeigefinger nicht erheben oder damit auf andere zeigen, hörten wir so einige Male. Und ja. Stimmt. Jedes Mal, wenn wir auf einen anderen Menschen zeigen, zeigen die restlichen drei auf uns selbst.
Also fang ich bei mir – Martin – an, versuche meine Gedanken zur öffentlichen Betrachtung freizugeben:

Teresa und Ich versuchen das zu nutzen, was wir haben. Am besten langfristig, gebraucht gekauft. Repariert, statt ausgetauscht. Recycling, Upcycling. Selbst gemacht. Immer ein bisschen weniger konsumieren – und dabei merken, dass einem gar nichts fehlt. Vieles trat schon in unser Leben, bevor wir überhaupt einen Gedanken an Klimaschutz verschwenden konnten.

Wir wurden in diese Zeit geboren und hatten keinen Einfluss darauf, was alles schon produziert wurde und zur Verfügung steht. Wir wurden geprägt. Wir können Dinge nutzen, müssen es aber natürlich nicht. Vieles davon ist purer Luxus. Verschwendung. Wohlstand. Sucht. An Vieles bin ich einfach zu sehr gewöhnt [worden]. Meist fällt es schwer, lieb gewonnene Verhaltensweisen mal schnell zu ändern.
Mir macht Autofahren (leider?) immer noch viel Freude; obwohl ich mir dessen Schädlichkeit bewusst bin und es versuche so selten wie möglich zu tun. Sind 300km im Monat zu viel? Oder sind es nur 150km, weil wir meist zu zweit im Auto sitzen?
„Dafür“ hab ich ja schon meinen Kaffeekonsum eingeschränkt und finde den deutschen Lupinenkaffe einfach unfassbar gut, denke ich mir, und merke im nächsten Moment, dass das Gewissen immer noch nicht richtig befriedigt ist und ich mich dauernd vor mir selbst rechtfertige. Ich lebe halt immer noch in purem Luxus, im Vergleich zu restlichen Welt.

Schon das Hinterfragen einer Verhaltensweise ist ja schon die halbe Miete, oder?
Für uns: Ein andauernder Prozess.
Denn … selbst wenn wir zu 100% klimaneutral leben würden; würden Viele das, was wir sagen, nicht hören wollen.

Es ist Winter. Leben auf kleinstem Raum und heizen mit weniger Energieaufwand als viele Andere um uns herum. Und doch: Es schmerzt mich, dass meine Heizung immer noch mit Diesel läuft, mir jetzt gerade im angefrosteten Dresden MR PINK gemütlich macht. Oder doch irgendwann einen Holzofen einbauen? Oder den ganzen Winter im Süden verbringen, um gar keine Heizkosten zu haben? Für welches „Übel“ darf ich mich entscheiden? Energie kostet alles. Mehr oder weniger. Wir arbeiten am nächsten Teil unserer Filmreihe AUF DER ANDEREN SEITE DES FERNSEHERS und den Strom dafür liefert die Sonne auf die mittlerweile knapp 1000W Solarzellen, die ja auch hergestellt werden mussten.

Was würden wir tun, wenn all unsere Annehmlichkeiten, unser Wohlstand, unsere kleinen Helferlein nicht erfunden worden wären? Wie würde ich dann leben? Wäre es die Utopie oder die Dystopie?
Ich würde wohl etwas anderes machen und müsste nicht mehr zum Thema Reisen, Nachhaltigkeit, Konsum, Klima, Vorurteile, Wohlstandssorgen usw bloggen. Säße nicht mehr so oft vor dem gewohnten Bildschirm. Eigentlich gar nicht so schlecht, wenn ich mir´s recht überlege.
Vielleicht wäre die Welt ja schon grün und wir müssten nicht erst die Fehler ausmerzen, die schon vor Generationen gemacht wurden? Naja… genug geträumt. Jetzt sind wir hier.

Ich kann die „Fehler“ unserer Welt nicht mehr nicht betrachten.

Ich mache heut einfach das, was mir Freude bereitet – hoffentlich – so wenig wie möglich Energie verbraucht und vielen Menschen zu Gute kommt: Über diese „Fehler“ reden.
Und das kann jeder, der anfängt das eigene Lügenkonstrukt im Kopf zu durchschauen und zu hinterfragen.

Und egal, wie „sparsam“ ich versuche zu leben – es gibt immer jemanden der sagt, es wäre nicht gut genug und deswegen solle ich lieber schweigen.
Gerade die Menschen, die etwas verändern wollen und sogar zur Tat schreiten, werden zur Zielscheibe degradiert. Hier wird der höchste Maßstab angelegt und erwartet.
Ob Greta perfekt lebt? Keine Ahnung.
Ob ich perfekt lebe? Keine Ahnung.
Spielt auch keine Rolle. Das Argument steht für sich und will immer und immer und immer wieder laut ausgesprochen werden:
Wir alle sollten unsere Wohlstands-Gewohnheiten hinterfragen, denn wir alle sind am Zustand unserer Welt beteiligt.

Wir alle nutzen „Werkzeuge“ und Energie, um Menschen und unsere Ziele zu erreichen, „Arbeit“ zu verrichten, uns ein angenehmes Leben zu ermöglichen.

Die Frage ist nur, nach dem Maß.

Für den Einen gibt nur es eine warme Mahlzeit pro Tag.
Andere sind nach Brunch, Lunch, dem dritten Kaffee an der Hotelbar, der schillerndsten Shoppingtour noch nicht befriedigt und schimpfen auf die, die versuchen ihren Energieverbrauch zu reflektieren und zu reduzieren. Schuld an der Misere sind ja immer die Anderen, oder?

Was sagen deine Konsumgewohnheiten über Dich aus?

„Alle denken nur darüber nach, wie man die Menschheit ändern könnte, doch niemand denkt daran, sich selbst zu ändern. Wenn uns etwas aus dem gewohnten Geleise wirft, so denken wir, alles sei verloren.“ Sagte schon vor langer Zeit Leo Tolstoi.

Traditionell vorweihnachtliche Grüße 😉

Martin

5 Gedanken zu „>> Warum wir immer noch Autofahren; Energie verschwenden und was Greta dazu sagen würde.

  • Dezember 17, 2019 um 11:04 am Uhr
    Permalink

    Bitte zum heizen kein Holz verbrennen!

    „Herzleiden, Asthma, Bronchitis und sogar Krebs – dieses Gesundheitsrisiko gehen Nutzer eines Kachelofens oder Kamins ein. Denn bei der Holzverbrennung entstehen Feinstäube, die wie Dieselabgase tief in die Lungen eindringen, berichten Forscher der Universität Kopenhagen in der Fachzeitschrift „Chemical Research in Toxicology“. […] Während die Wirkung des Feinstaubs aus typischen holzbeheizten Kaminen mit Dieselruss vergleichbar sei, ist die biologische Reaktivität bei besonders unvollständiger Verbrennung und schlechtem Betrieb sogar 100-mal höher als bei anorganischem Holzstaub“

    https://www.innovations-report.de/html/berichte/studien-analysen/holzoefen-krank-169724.html

    „Belegt ist der Zusammenhang zwischen Holzrauch und Atemwegsinfektionen bei Kindern sowie chronischer Bronchitis und Lungenkrebs bei Erwachsenen, besonders bei Frauen. Bei denen verdreifacht Holzrauch das Risiko einer chronischen Bronchitis. […] Im Tierversuch finden Forscher konsistent Schäden an den Epithelzellen der Atemwege und der Lunge. Vermutlich entstehen die Schäden durch giftige organische Verbindungen, die mit Rauchteilchen in die Lunge gelangen. Bemerkenswerterweise scheinen niedrige Rauchkonzentrationen, bei denen keine akuten Schäden auftreten, bereits die Immunantwort der Epithelzellen dauerhaft zu verändern, so dass schon geringe Konzentrationen von Rauchteilchen einen negativen Effekt haben könnten. Die ganze Mischpoke ist außerdem potentiell krebserregend – im Tierversuch erzeugt ein Extrakt aus Holzrauch 30 mal so effektiv Tumoren wie Zigarettenrauch.“

    https://scilogs.spektrum.de/fischblog/untersch-tzte-gesundheitsgefahr-durch-holzrauch/

    „Die Feinstaub -Emissionen (PM10 ) aus allen Kleinfeuerungsanlagen (Öl, Gas, Kohle und Holz) liegen bei ungefähr 21,1 Tausend Tonnen (Tsd. t). Hiervon machen Holzkleinfeuerungsanlagen mit 18,45 Tsd. t den größten Anteil der Feinstaubemissionen aus und übersteigen in Deutschland mittlerweile die Auspuffemissionen von Lkw und Pkw (Auspuffemissionen Straßenverkehr ca. 7 Tsd. t PM10).“

    https://www.umweltbundesamt.de/daten/luft/emissionsminderung-bei-kleinfeuerungsanlagen#textpart-1

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    • Dezember 19, 2019 um 10:47 am Uhr
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      Moin, ja Holz verbrennen ist sicherlich nicht das Gesündeste, jedoch würde ich anbringen, dass neben einer Straße in der Stadt laufen das ähnliche Risiko birgt … lg Martin

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      • Januar 17, 2020 um 1:37 pm Uhr
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        Mein Pneumologe (ich bin Asthmatiker) sagt nein. Die Anzahl der Lungenpatienten in Deutschland ist seit 2000 (+34 %) ist parallel zu denen der Holzöfen (+42 %) gestiegen. Was sich mit allen Studien aus dem Ausland deckt. In Warschau wurden kürzlich Holzöfen verboten, seit dem ist das die Stadt mit der saubersten Luft in Polen. Die Feinstaubmengen sind einfach exoritant.

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  • Dezember 22, 2019 um 6:00 pm Uhr
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    Moin, im Jahr werden 33 Millionen Tonnen CO2-Emissionen für das Betreiben des Internets und deren Geräte verursacht –Tendenz stetig steigend,… der innerdeutsche Flugverkehr schafft die gleiche Menge.
    So ….What?! “Abschalten“? 😉

    Frohe Weihnachten

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    • Januar 9, 2020 um 2:09 pm Uhr
      Permalink

      Hola, jep. Ein riesiger Batzen Energie für teils vollkommen sinnfreie Aktivitäten. Dann kann man ja das Werkzeug wenigstens dazu nutzen, den Menschen die Problematik näher zu bringen. lg Martin

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