Von Mexico nach Guatemala

Nachdem wir knapp eine Woche an der Golfküste Mexikos verbracht haben, verabschieden wir uns für die nächste Zeit vom Meer und steuern, die etwas weiter im Landesinneren liegende Laguna Catemaco an. Neben einem kleinen, beschaulichen Stadtzentrum und ein paar Zigarrenfabriken gibt es nicht sonderlich viel „Sightseeing“, dafür aber eine wunderbare Oase der Erholung im „La Jungla“. Das letzte Überbleibsel, des einst üppigen Golfküstenregenwaldes, ist nun zum Refugium für allerlei Tier- und Pflanzenarten geworden und wir fühlen uns tatsächlich, wie im Dschungel: Morgens und abends erhalten wir ein Konzert der Extraklasse von vielen, verschiedenen Vogelarten gemischt mit den Schreien der Brüllaffen. Auch Tukane wohnen in den Bäumen und in der Lagune haben Krokodile ihr zuhause. Wir genießen die Tage mit süßem Nichtstun, Baden und Rutschen im Naturpool … bis sich am Vorabend des Weltuntergangs alles ändert: Dicke Wolken beginnen den Himmel zu verdunkeln und es fängt stark an zu regnen; Sturm kommt auf, Bäume biegen sich bedrohlich, Äste zerbersten und fliegen durch die Luft. Sollten die Maya doch recht gehabt haben? Ist das der Anfang vom Ende? So wirklich wohl ist uns beiden nicht zumute, als wir an diesem Abend zeitig ins Bett gehen. Unser Herr Lehmann wird von den Böen immer wieder durchgeschüttelt und wir schlafen nicht gut. Nächster Morgen – die Welt um uns herum steht zwar noch, aber der Sturm hat ein mächtiges Chaos auf dem Gelände hinterlassen und es hat sich so richtig ungemütlich eingeregnet. Also packen wir unsere Siebensachen und machen uns auf den Weg Richtung Palenque – DIE Mayastätte Mexikos. Nach eineinhalb Fahrtagen erreichen wir die dazugehörige Stadt Palenque und sind erstaunt über die vielen Touristen. Aber „seltsamerweise“ sehen fast alle aus wie Hippies: Barfußläufer, Dreadlocks und Rastahaare, Batik-Shirts, Bindis und Henna-Tattoos, Pumphosen – das volle Programm. Irgendwas muss hier „im Busch“ sein. Klar, Weltuntergang! Zumindest bestätigt sich unsere Vermutung teilweise, als wir auf dem Mayabell Campingplatz ankommen. Am Tag zuvor fanden an den Ruinen von Palenque viele uralte Rituale und Zeremonien statt, um den Weltuntergang zu erwarten. Das Bedauern über den Ausfall des Weltuntergangs ist groß und schade für uns, denn wir sind einen Tag zu spät dran, um an dem Spektakel teilhaben zu können. Wie wir erfahren, findet aber zusätzlich noch eine Art Hippie – Festival nahe Palenque statt, dazu aber später mehr …

Auf dem Campingplatz treffen sich Weltreisende aus aller Herren Länder. Als erstes lernen wir Robert und Rainer kennen, die mit ihrem Toyota und einem Offroad – Klappfix bis nach Südamerika wollen und später Torsten, der mit einem GMC Pickup durch Mexiko tourt. Aber zunächst dahin, weswegen wir eigentlich hier sind: Die faszinierenden Maya Ruinen von Palenque. Die Anlage selbst ist zwar sehr überschaubar, dafür aber von einer fast betörenden Schönheit. Eingebettet in die nördlichen Ausläufer des Hochlandes von Chiapas stehen die Zeugen einer anderen Zeit mitten in der tropischen Dschungelvegetation. Wir haben uns zwar früh auf den Weg gemacht, aber die Anlage füllt sich zusehends mit Touristengruppen – sowohl nationale als auch internationale. Hier und da lauschen wir den Ausführungen der Guides und lassen das rege Geschehen auf uns wirken. Es ist schwer in Worte zu fassen und zu beschreiben – drum lassen wir die Bilder für sich sprechen. Im nächsten Video gibt es davon noch mehr zu sehen 🙂

Die Neugier auf das Festival hat uns gepackt und so gabeln wir uns am nächsten Tag zwei Hippies auf, die uns zum „Galactic Rainbow Gathering“ lotsen. In einer Zeltstadt mitten im Palmenwald, abseits der Zivilisation haben sich hier etwa 1000 Hippies, Ökos, Aussteiger, Lebenskünstler und Traveller versammelt um gemeinsam in einer Kommune auf Zeit zu leben. Es gibt bestimmte Regeln, z.B. kein Alkohol, keine Fotos (Schade!) oder keine Elektronik, aber dafür jede Menge tolle Erfahrungen. So nehmen wir beispielsweise am kollektiven Foodcircle teil, der zwei Mal täglich stattfindet und lernen viele weltoffene und tolerante Menschen kennen. Wir bleiben länger als gedacht, denn die täglichen Workshops und Zusammenkünfte haben etwas sehr heimeliges – aber nach fünf Tagen und Nächten demokratischer Anarchie brechen wir dann auf: Guatemala ruft!

Nach einem langen Fahrtag und einem problemlosen Grenzübertritt in El Ceibo sind wir in Flores, einer kleinen, süßen Stadt angelangt. Von hier aus wollen wir zu den Maya – Ruinen von Tikal und später in eine Sprachschule gehen. Aber erstens kommt alles anders, wie man denkt und zweitens sind Pläne ja bekanntlich dazu da, um über den Haufen geworfen zu werden … Da Martin etwas kränkelt brauchen wir einen Platz, wo wir uns in aller Ruhe auskurieren und bis über den bevorstehenden Jahreswechsel verweilen können. Fast schon ein „Muss“ auf den Weg in den Süden Guatemalas ist die Finca Ixobal in Poptun. 1971 hat sich das Ehepaar DeVine auf dem Geländer der Finca niedergelassen. Obwohl 1990 Mike DeVine von den Militärs unter nie ganz geklärten Umständen ermordet wurde, führt Carole die Finca seitdem mit viel Liebe weiter und hat ein kleines Paradies geschaffen, in dem sich die Traveller treffen. Das Essen ist fantastisch und stammt überwiegend aus eigenem Anbau. Es gibt einen See zum Baden und es werden jede Menge Aktivitäten angeboten. Dies ist wirklich ein Fleck Erde, auf dem es sich bis nächstes Jahr aushalten lässt …

Wir wünschen einen tollen Rutsch, feiert schön und habt euch lieb 🙂 Wir melden uns dann 2013 wieder!

4 Comments Add Yours

  1. Maik

    wenn ich das lese brauch ich ganz schnell Urlaub sehr schön geschrieben. 😉

    Viele Grüße
    aus Deäääsden
    Maik,Katrin Lucy,Sami

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  2. Maxim

    Immer wieder spannend zu lesen was ihr so treibt. Grüße aus Dresden Pieschen.

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  3. Bastian

    sehr schöner Bericht und generell die komplette reise ist toll. Bleibt ihr in Mexico eigentlich immer auf Campingplätzen oder steht ihr eher frei ?

    lg Bastian

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    • Herr Lehmann

      Hallo, naja… frei stehen ist in Zentralamerika sicher möglich, aber wir haben schon einige Sachen gehört, die nicht sonderlich angenehm waren. Die Campingplatz Situation ist auch nicht die beste, aber wir haben schon unser möglichstes getan, um immer „sicher“ zu stehen… Also bei Hotels anfragen, Restaurants, oder eben Campingplätze.

      vg Martin

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