Ein Tag in der Wüste Gobi

Ein Tag in der Wüste Gobi

07:30 Nachdem der Wind sich in der Nacht gelegt hatte und mittlerweile die Sonne wieder aufgegangen ist, bringen heftige Windböen das Auto kräftig zum Wackeln. Das stetige Gluckern der Wasserkanister, sowie des Dieseltanks nervt auf Dauer, so dass wir aufstehen.

08:00 Das Frühstück wird zu einem Kampf zwischen Bratpfanne (heute gibt es Rührei und Speck) und dem Sand, den der Wind mit sich bringt. Immer wieder stürzt sich Kathi schützend über die Pfanne. Eine Außenküche hat eben auch seine Nachteile. Das Frühstück schmeckt und an das leichte Knirschen gewöhnt man sich mit der Zeit.

09:00 Bevor wir losfahren können, muss Martin noch den Keilriemen wechseln. Dieser ist uns einen Tag zuvor gerissen. Da dies aber zu einer Zeit geschah, als wir uns sowieso einen Platz für die Nacht suchen wollten, sind wir einfach an einem verheißungsvoll windstillen Fleckchen stehen geblieben und haben die Reparatur auf den darauffolgenden Tag verschoben.

10:00 Nachdem wir die Werkzeuge verstaut und den Bus wieder abfahrbereit gemacht haben, begeben wir uns in Richtung der Khongoryn Els Sanddünen. Einen der Touristenmagnete der Mongolei. Über 100km² erstreckt sich das Dünenfeld und erreicht bis zu 200 Metern Höhe.

11:00 Die Fahrt führt uns über etliche Kilometer Wellblechpiste oder, wie wir sie nennen: Schüttel-den-Speck-Straßen. Sowohl wir, als auch der Bus werden kräftig durchgerüttelt. Ein kurzes, lautes Krachen von der Vorderachse lässt nix Gutes ahnen. Martin steigt aus und ein kurzer Blick bestätigt die Vermutung: Der Stabilistaor hat einen Gummi verloren. Kathi geht die letzten gefahrenen Meter noch einmal ab und findet Gummi, Mutter und eine kleine Unterlegscheibe im Geröllfeld wieder.

11:30 Der Stabi sitzt wieder an seinem Platz und die Fahrt kann weiter gehen. Angestrengt lauschen wir auf jedes kleine Geräusch. Bei jedem noch so kleinen Krachen, Zischen oder Pfeifen halten wir an und Martin legt sich unters Auto Den Blaumann hat er gleich anbehalten. Vorsichtshalber. Doch es handelt sich glücklicherweise nur um Steine die an den Bus knallen oder Windgeräusche. Unsere Was-war-das-für-ein-komisches-Geräusch-Paranoia hat mal wieder seinen Höhepunkt erreicht: Heute der Stabi, gestern der Keilriemen, vorgestern eine Schraube in den Reifen eingefahren (Platten Nr. 3 auf der Reise!) und noch einen Tag zuvor ist eine Zusatzfeder herausgesprungen. Ja, die Mongolei verlangt von Mensch und Maschine so einiges ab.

13:30 Nach zwei Stunden anstrengender Fahrt gönnen wir uns eine kurze Pause und füllen an einem Brunnen unsere Wasserkanister auf. Auch unsere Gesichter bekommen ein wenig Frischwasser, denn Staub und Sand kleben einfach überall. Die Luft ist extrem trocken und man hat ständig das Bedürfnis sich Hände, Lippen und Gesicht eincremen zu wollen. Doch der zurückbleibende Fettfilm zieht Staub und Sand nur noch mehr an. Ein wahrer Teufelskreis!

14:00 Weit sind wir nicht gekommen. Der neu eingesetzte Keilriemen qietscht schon wieder. Nicht gut! Obwohl der Wind mittleweile noch stärker weht und wir inmitten in einer flachen Ebene stehen, in der kein Baum, noch Busch oder Fels Windschutz gewähren können, legt sich Martin unter den Bus. Und macht eine interessante Feststellung: Die Lichtmaschine hängt schief. Wir gehen zurück in unsere Erinnerungen und kommen zu der Erkenntnis: Die Lichtmaschine wurde in Thailand falsch eingebaut, ein Gummipuffer fehlt nun. Wahrscheinlich war der Mechaniker gegen Ende des ungewohnt harten Arbeitstages zu faul diese zu suchen und dachte sich, dass das auch so funktioniert. Die Quittung haben wir nun vorliegen: Die Buchse ist ausgeschlagen, was die Lichtmaschine in Schieflage bringt und der Riemen nutzt sich schneller ab. Jetzt ist Martins Improvisationstalent gefragt und schon bald findet sich eine vorübergehende Lösung mit Hilfe einer ordentlichen Portion Klebeband um die Schraube gewickelt 🙂

15:30 Majestätisch erheben sich die Sanddünen aus der weiten Ebene. Auf der Karte haben wir einen Weg gesehen, der durch das Dünenfeld hindurch auf die andere Seite und somit noch weiter in die Einsamkeit der Gobi führt. Wir können den Weg allerdings auf Anhieb nicht finden und fragen in einer der vielen Touristen-Jurten-Camps nach. Die Leute sind sehr freundlich und wundern sich, dass Mitte Mai schon die ersten Touristen unterwegs sind. Normalerweise kommen die nämlich erst Ende Mai oder Anfang Juni. Das Wetter ist im Frühling besonders extrem. Hitze- und Kältewellen wechseln sich täglich, ja manchmal sogar stündlich ab und ein mongolisches Sprichwort sagt: „Wenn du den Frühling überstanden hast, bleibt dir noch ein weiteres Jahr.“

16:00 Mit der Wegbeschreibung ausgestattet folgen wir einem zunächst passablen Weg, der jedoch mehr und mehr in tiefen, losen Sand übergeht. Strandfeeling pur. Um nicht stecken zu bleiben lassen wir den Reifendruck auf 0,8 bar ab. Nun geht es viel einfacher voran und Martin hat seinen Spaß beim Rallyefahren in dem weichen Terrain. Ken-Block-mäßig bringt er das Heck quer um die Kurven, immer zweiter Gang und den Fuß auf Vollgas während Kathi sich in ihrem Sitz verkrampft und die Fingerknöchel schon weiß werden. Ein ohrenbetäubend lautes Krachen beendet den einseitigen Fahrspaß. Die abgelassenen Reifen führen unvermeidlich zu einer Tieferlegung um gut vier Zentimeter. Ein großer Stein ist so an den Querlenker geknallt und hat eine mittelgroße Delle hinterlassen – sonst nix. In Deutschland werden wir das fachgerecht zurückdängeln müssen.

16:30 Nun stehen wir vor dem kleinen Weg, der über das Dünenfeld führt. Drei Kilometer tiefer Sand und jede Menge Ungewissheit was hinter der nächsten Düne kommt und ob wir es mit unserem Hecktriebler überhaupt schaffen könnten. Die Sandmassen kommen uns so gewaltig vor, wie wir uns die Sahara vorstellen. Da wir für den heutigen Tag schon genug Action verspürt haben und in Ruhe das Vorhaben auf uns Wirken lassen wollen, beschließen wir eine Nacht darüber zu schlafen.

17:00 Der Wind weht mittlerweile derart stark und bringt solche Massen an Sand mit sich, dass wir uns gut 10 km weiter in einen kleinen Canyon flüchten, der uns Windschutz bieten soll. Einem ausgetrocknetem Flusslauf folgend bleiben wir in den roten Sandsteinklippen stehen und genießen unseren Stellplatz mit ganz alltäglichen Dingen wie lesen oder eben diesen Bericht zu schreiben. Die spätnachmittagliche Sonne scheint noch kräftig und wärmt angenehm.

18:00 Kathi hat sich zu einem kleinen Spaziergang aufgemacht und findet sich bald inmitten einer Herde von Schafen und Ziegen wieder. Die kleinen Lämmer und Zicklein sind so drollig und es macht Spaß den Tieren bei ihrer Futtersuche zuzusehen. Mit gesenkten Köpfen grasen sie jeden Millimeter des ausgetrockneten Steppenbodens ab und finden hier und da immer wieder einen saftigen Grashalm oder ein frisches, grünes Blatt an einem der Saxaulsträucher. Es ist doch immer wieder erstaunlich wieviel Leben in dieser auf den ersten Blick trostlos und vertrocknet scheinenden Gegend steckt. Erst bei genauerem Hinsehen erschließt sich dem Betrachter die Überlebenskunst von Pflanzen, Mensch und Tier.

18:30 Währenddessen hat Martin beim Bus Besuch von einem Nomaden-Ehepaar bekommen, die auf der Suche nach ihrem Weidevieh mit dem Motorrad durch den Canyon fahren. Und obwohl wir außer „Guten Tag“ und „Danke“ kein Wort mongolisch und die beiden kein Wort Englisch sprechen, klappt die Verständigung mit Händen, Füßen und Zeichnungen auf dem Boden ganz gut. Ein Foto zum Abschied darf natürlich nicht fehlen und stolz posiert das Paar neben uns und unseren Gefährten.

19:30 Nach dem Abendessen haben wir uns in den Bus verzogen und jeder hängt seinen Gedanken nach. Sollen wir es wagen morgen durch die Khongoryn Els zu fahren oder lassen wir die Vernunft siegen und wählen den augetretenen Pfad nach Norden? Plötzlich klopft es an der Scheibe. Kathi ist sich sicher, dass es nochmal das nette Nomaden-Ehepaar von vorhin ist, doch als sie den Vorhang Beiseite schiebt steht vor ihr ein Polizist in seiner Uniform. Sie öffnet das Fenster und fragt „Ok? Ok?“ während sie Daumen und Zeigefinger zu einem Kreis formt. Der Polizist nickt freundlich und steigt wieder zu seinem Kollegen in seinen alten, klapprigen Pick-Up. Wie sie uns hier gefunden haben, wo sie herkommen und wo sie hinwollen ist uns ein Rätsel, denn wir sind gut 100 km von den nächsten größeren Siedlungen entfernt und kein Handysignal dringt bis hierher vor.

20:00 Belustigt und zugleich verstört von den Erlebnissen des Tages bauen wir unser Bett auf und gönnen uns ein Glas Bier aus der 2,5 Liter – nomadenfreundlichen Flasche bevor wir in wilde Träume von alles verschluckenden Dünen, Sandverwehungen die die Hand vor Augen nicht mehr sehen lassen, endosem Schaufeln und Schieben, durchdrehenden Reifen und kilometerlangem Sandbleche legen. Werden wir uns auf ein neues Abenteuer einlassen oder schonen wir Nerven und Fahrzeug? Aber das ist eine andere Geschichte …

Ein Tag in der Werkstatt

Ein Tag in der Werkstatt

Eigentlich können wir uns ja überhaupt nicht beschweren. Herr Lehmann macht so gut wie keine Zicken und der gute alte Diesel läuft und läuft. Doch ab und an schleichen sich Geräusche in den nussigen Motorsound, die da einfach nicht hingehören. Mal ein Quietschen beim Kurvenfahren, mal ein Rattern trotz glatter Straße oder ein Knacken, wenn man in ein Schlagloch eintaucht. In den letzten Wochen wurden wir immer wieder im Leerlauf von einem Rasseln / Kratzen heimgesucht, welches ich nicht orten konnte. Getreu dem Motto: so lange es noch Geräusche macht, ist das Teil noch dran, sind wir weiter und weiter gefahren und haben geschaut, wie sich das Geräusch entwickelt. Ganz nach der Manier ungewöhnlicher Geräusche hat es sich nicht in Luft aufgelöst, sondern wurde immer lauter. Nach einigen Stunden des Horchens und Eingrenzens konnte ich dieses lästige Schnarren nun auf die Anbauteile beschränken. Wasserpumpe, Servopumpe, oder auch die Lichtmaschine konnten es sein. Am naheliegendsten: die Wasserpumpe. Die verrichtet nun schon seit 70.000km fröhlich und unauffällig ihren Dienst und kann schon mal kaputt gehen. Also eine Neue gekauft. Zum Glück hörte ich einige Tage später noch einmal genauer hin und meinte diesmal das Geräusch in der Nähe der Lichtmaschine orten zu können. Recht hatte ich im Endeffekt. Bin ich froh, dass ich nicht auf gut Glück die Wasserpumpe getauscht habe (Motor freilegen, Kühler ausbauen, Zahnriemen abbauen, Wapu wechseln usw – 6h Arbeit).

Werkstatttagebuch | Montag, 17. März 2014 | Chiang Rai | Thailand

10:17 Wir fahren los, um eine Werkstatt zu finden, die Lichtmaschinen reparieren kann.
10:25 Werkstatt 1 „No english“
10:32 Werkstatt 2 „No english“
10:49 Werkstatt 3. Hier spricht der Sohn ein bisschen Englisch und fragt uns aus, wo wir herkommen und wo wir hin wollen. Seine Englischkenntnisse reichen allerdings leider nicht über Nettigkeiten und Smalltalk hinaus, was uns auch nix weiter nützt.
10:53 Ein SUV-Fahrer mit Herrenhandtäschchen schaltet sich ein. Zur allgemeinen Erleichterung spricht er gutes Englisch und kann zwischen uns und dem Mechaniker vermitteln.
10:56 Endlich kanns losgehen. Martin demonstriert das Geräusch. Und erklärt dem Mechaniker, dass es NICHT der Auspuff und NICHT der ewig-quietschende Keilriemen ist, sondern das Rrrrrrrr-Rrrrrrr-Rrrrrr, welches unserer Vermutung nach vom Generator kommt, wenn der zu warm wird.
10:59 Mechaniker legt sich unters Auto und sagt „Aaaaaaah“ und „Oooooooh“.
11:00 Mechaniker versucht den Auspuff festzuschrauben. Da dies ein Ding der Unmöglichkeit ist, lassen wir ihn nicht lange gewähren. Unser Übersetzer gibt erneut die Info weiter, dass wir auf den Generator tippen.
11:01 Mechaniker holt Wasser und will die Riemen testen. Erneut geben wir die Info weiter, dass wir sicher sind, dass es die Lichtmaschine ist und nichts Anderes.
11:02 Martin packt den Mechaniker und zieht ihn unters Auto, damit er nochmals gaaaanz genau das Geräusch hört. Rrrrrrrr-Rrrrrrrrr-Rrrrrr. Nach einigen „Aaaaaaaaahs und „Ooooooooohs“ strahlt er wie ein Honigkuchenpferd und der Übersetzer übersetzt, dass das Geräusch vom GENERATOR kommt. Ernsthaft!? Da wären wir nicht aber drauf gekommen.
11:04 Der Übersetzer kennt den Weg zur Generatorenwerkstatt und bringt uns hin.
11:10 Der Übersetzer stellt uns den Chef als seinen Bruder vor. Tatsächlich sehen die beiden sich ähnlich. Ich vermute allerdings, dass der Bruder eigentlich der Cousin, Onkel oder Verwandter dritten Grades ist und der Übersetzer das richtige Wort dafür nicht kannte.
11:11 Der Übersetzer schildert unser Problem und sagt auch gleich, dass es nicht der Auspuff oder der Riemen sei (die Wörter verstehen wir mittlerweile auch auf Thai) sondern vermutlich ein Kugellager in der LiMa.
11:12 Preisverhandlung: Aus- und Einbau, inklusive neuer Kugellager und dem Einlöten neuer Kohlen für 30€ erscheint uns als fairer Preis.
11:14 Los geht’s! Unter den Argusaugen von Martin beginnt der Mechaniker den Generator auszubauen. Der Übersetzer überlässt uns unserem Schicksal – wir bedanken uns herzlich.
11:37 Der Generator ist draußen. Ab jetzt heißt es Arbeitsteilung: Die Kohlen sind Chefsache, der Mechaniker macht sich an den Kugellagern zu schaffen.
12:30 Der Mechaniker setzt Generator wieder ein.
12:41  Motor starten, Spannung pur und das Geräusch ist immer noch da. Mist!
12:43 Ratlosigkeit in den Gesichtern.
12:47 Mechaniker zieht einen neuen Riemen auf, den wir noch im Gepäck haben. Das Geräusch könnte ja von dort kommen.
12:58 Motor starten, Spannung pur und das Geräusch ist immer noch da. Mist!
13:00 Ratlosigkeit in den Gesichtern.
13:01 Mittagspause für alle. Auch wir gehen uns mit Nervennahrung versorgen.
13:45 Weiter geht’s!
13:50 Der Mechaniker tippt auf den Leerlauf, denn das Geräusch ist ja nur da zu hören. Er will die Leerlaufdrehzahl hochstellen und den Motor tunen (700Baht), dann wäre das Geräusch weg und der Motor liefe besser. Nette (eigentlich bescheuerte) Idee, aber das ändert nix am bestehenden Problem.
14:00 Mechaniker beginnt erneut den Generator auszubauen.
14:20 Mechaniker nimmt den Generator auseinander und nimmt sich der Unterdruckpumpe an, die hinten an der Lichtmaschine dranhängt. Die ist für die Bremsen zuständig und ziemlich wichtig, wenn man nicht gegen den nächsten Baum fahren will. Er dreht sie und ein Klackern ist zu hören. Dieses Klackern zeigte Martin ihm schon 11:37, doch da war es für ihn noch normal.
14:30 Preisverhandlungen die Zweite: Wir können 70€ als Gesamtpreis rausschlagen.
14:33 Mechaniker, Chef und die Frau vom Chef beginnen durchs Lager zu kriechen und suchen eine passende Pumpe.
14:46 Chef kommt mit passendem, gebrauchtem Generator. Mechaniker beginnt die neue Pumpe umzubauen, die auch wirklich ähnlich aussieht.
14:58 Der Mechaniker stellt fest, dass die Welle unserer Lichtmaschine für die neue Pumpe ein paar Millimeter zu lang ist und setzt die Flex an.
15:25 Mechaniker flext zum vierten Mal einen Millimeter ab.
15:30 Ein Gehilfe wird losgeschickt, um einen passenden Dichtring zu besorgen.
16:05 Der Dichtring ist da, passt aber nicht 100%. Der Mechaniker stellt außerdem fest, dass das Ganze irgendwie doch nicht passt und sich bei aufgeschraubter Unterdruckpumpe, die Lichtmaschine nicht mehr bewegt.
16:10 Der Mechaniker kommt auf die Idee, unsere alte Pumpe zu reparieren und versucht sie zu öffnen.
16:16 Eine Schraube bricht ab, damit ist unsere alte Unterdruckpumpe nun endgültig aus dem Geschehen raus. 16:25 Allgemeine Ratlosigkeit. Energie und Begeisterung lassen bei allen Beteiligten nach. Erste Ermüdungserscheinungen machen sich breit.
16:33 Der Mechaniker findet heraus, dass er das Oberteil der Lichtmaschine tauschen könnte um aus Zweien Eine zu machen, damit die neue Unterdruckpumpe an unser Gehäuse passt. Das hätte ihm auch schon vor zwei Stunden auffallen können, scheint aber für die Situation ein guter Plan zu sein.
16:43 Der englischssprachige „Bruder“ kommt vorbei und wundert sich, dass wir immer noch da sind. Das tun wir auch.
16:51 Jubelschreie: Die neue Pumpe passt nun endlich auf den alten Generator.
16:52 Zum Glück weist Martin darauf hin, dass der Dichtring mit der neuen Situation nicht zurecht kommt und nicht passen will. Also wird der Gehilfe wieder auf dem Moped losgeschickt.
17:34 Unruhe macht sich breit: In knapp einer halben Stunde soll doch eigentlich Feierabend sein!
17:52 Der Generator ist wieder an seinem Platz verbaut und alles scheint zu funktionieren.
17:53 Motor starten, Spannung pur und das Geräusch ist WEG, die Pumpe und damit die Bremse läuft – Hurra!!! Aaaaaaaber: Es kommt kein Ladestrom an den Batterien an. Das ist schlecht, so kurz vor Feierabend. 17:55 Mechaniker misst den Strom aus. Gar nicht mal so schlecht die Idee … und von ganz allein drauf gekommen.
17:57 Martin weist den Mechaniker zum dritten Mal auf unseren externen Laderegler hin, der uns in Argentinien eingebaut wurde und hofft, dass der Mechaniker vorhin nicht einen Neuen in die Lichtmaschine eingebaut hat und wir jetzt mit Zweien rumfahren. Würde ja nicht klappen.
18:00 Alle thailändischen Beteiligten sind genervt, denn eigentlich wäre jetzt ja Feierabend. Eigentlich. Wenn da nicht so ein Falang (Langnase = Ausländer) mit seiner grünen, verbastelten Weltreiseschleuder wäre …
18:02 Wir müssen einen Schrank abbauen, weil der Mechaniker an die Batterien muss um die Sicherung zu prüfen.
18:15 Glück gehabt. Der Mechaniker hat keinen zweiten Laderegler eingelötet sondern nur diese versteckte Sicherung war kaputt. Er tauscht sie aus.
18:25 JUHU – ES LÄUFT!
18:30 Die Lichtmaschine lädt fleißig vor sich hin, das Geräusch ist weg und sogar die Bremsen funktionieren. Das hätten wir zwischenzeitlich beim Ansetzen der Flex schon fast nicht mehr gedacht.
18:35 Wir bedanken uns überschwenglich bei allen Beteiligten und fahren dreckig, verschwitzt und müde zurück zu unserem Hotelcampingplatz.

Fazit? Geht doch! Zwar über Umwege und nicht sonderlich schnell, doch das nervige Geräusch sind wir los, die Lichtmaschine ist auch noch überholt worden und das alles für gar nicht mal so viel Geld. In Deutschland hätte man uns wahrscheinlich auf Verdacht eine neue Wasserpumpe, Servopumpe und Lichtmaschine eingebaut …

Was das wieder kostet …

Was das wieder kostet …

Nach einem harten Fahrtag sitze ich entspannt in einem der vielen Massagesalons irgendwo in Thailand und warte auf meine Fußmassage. Eine Stunde dieses Genusses kostet mich ca. 5€. Nicht viel Geld für mich, denke ich, aber doch genug um sich hier fünf bis sechs Mittagessen leisten zu können. Der Masseurin geht es hier sichtlich gut mit den vielen Touristen, die des Weges kommen.

Sie begrüßt mich mit einem freundlichen „Sabaideee“ und dann geht’s los. Eigentlich sollte ich mich ja entspannen, doch sobald ich die Augen schließe, sehe ich den 5€ Schein vor mir und muss darüber nachdenken, was wir auf dieser langen Reise bis jetzt schon ausgegeben haben. 50.000km sind wir mit unserem kleinen Mitsubishi schon durch Nord- und Südamerika gefahren – in einem Jahr und fünf Monaten. Über die besten Asphaltstraßen, die staubigsten Schotterwege und die tollsten Offroadpassagen. 50.000km – so viel fährt ein Staubsaugervertreter auch in einem Jahr – wohlgemerkt in einem 168PS Turbodiesel Kombi über deutsche Autobahnen.
Ich hatte mir nie Gedanken darüber gemacht, was das Autofahren auf dieser Reise eigentlich kostet. Natürlich ergeben Übernachtungskosten, Essen, Ersatzteile, Verschiffungen und Flüge in der Summe einen Batzen Geld, den wir auf zwei Jahre Weltreise verplant und gespart hatten, doch was kostet uns unser L300 wirklich?

Während die Masseuse an der Wade angekommen ist – und ich mich frage, ob Sie das auch sanfter machen könnte, damit ich in Ruhe kopfrechnen kann – überschlage ich, dass auf der Strecke ein Liter Diesel durchschnittlich 0,70€ kostete. Von 1,10€ in Kanada über 0,60€ in Mexico bis zum Spritparadies Ecuador mit 0,19€.
Unser kleiner 2,5l Diesel verbraucht bei sparsamer Fahrweise 8,5l auf 100km – in den Anden auf 4000m locker das Doppelte – aber ich nehme an, dass der Durchschnittsverbrauch bei ungefähr 10l / 100km lag –  natürlich alles geschätzt. Auf 50.000km macht das 3500€. Wow … schon ordentlich, aber noch nicht die Masse auf die gesamten Reisekosten. Doch mir schwant Übles, als mir mein Unterbewusstsein versucht klarzumachen, dass zum Autofahren noch mehr gehört, als nur das Tanken. Also weiterdenken, während die Masseuse zum linken Fuß wechselt.

Reifen. Natürlich. Die Füße unseres Autos. Der erste Satz BfGs hat so ziemlich genau diese Strecke gehalten und kostete in Deutschland 500€.
Unser Mitsubishi war auf der Strecke sehr friedlich und hat nicht oft Zicken gemacht. Eigentlich gar nicht oft, aber als ich die Summe der Ersatzteile, Ölwechsel und Reparaturkosten zusammenrechne, komme ich trotzdem auf knapp 2000€. Das meiste davon nur normale Wartungsarbeiten, die ich alle selber gemacht habe. 6000€ Betriebskosten in eineinhalb Jahren. Runtergerechnet auf die Kilometer bedeutet das, ein Kilometer kostet 12 Cent. Hundert Kilometer, die in zwei Stunden Fahrerei schnell zusammenkommen, schlagen somit mit 12€ zu Buche. Nochmal Wow …

Als sich die Massage bei der zweiten Wade nun langsam dem Ende nähert, gedenke ich eine Minute der Fahrer größerer Geländewagen oder LKW und muss kräftig schlucken. Genau wie deren Autos. 13 Liter Verbrauch und mehr sind hier keine Seltenheit (mindestens 4500€ auf 50.000km – nach oben offen) und Reifenkosten von 250€ – 500€ pro Stück gehen auch ganz schön ins Geld. Mir wird ganz schwindelig als ich den Preis pro Kilometer ausrechnen will und lasse es lieber bleiben.

Die Massage ist vorbei und meine Entspannung auch, als mir noch einfällt, dass unser Auto ja auch vor der Reise schon eine Menge Geld gekostet hat. Anschaffung, Rostschutz, Wartungsarbeiten, Kühlbox, Solarzellen, Campingausbau … alles in Eigenregie, doch trotzdem mehr oder weniger 7000€ die wir investiert haben. Der Preis pro Kilometer steigt und steigt vor meinem inneren Auge auf knapp 18 Cent. Wenigstens kann man das Auto länger verwenden als zwei Jahre, oder es danach verkaufen um sich die Kosten schöner zu rechnen.
Doch Moment. Zwei Jahre stimmt ja … die Reise ist noch nicht vorbei und wenn ich daran denke, dass wir noch 20.000km und vielleicht noch einige Reparaturen vor uns haben, hätte ich mir die 5€ für die Massage vielleicht doch lieber gespart.

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One night in Bangkok … und noch viel mehr

One night in Bangkok … und noch viel mehr

Nun ist es schon über einen Monat her, dass wir Südamerika verlassen haben und nach Asien geflogen sind. Hier ein kurzer Abriss über unsere Zeit, seitdem wir unseren geliebten Herr Lehmann im Hafen von Buenos Aires abgegeben haben.

Von Buenos Aires nach Bangkok – mit einer Flugzeit von 24 Stunden – sind wir insgesamt gut zwei Tage, gefühlt eine Woche unterwegs. Und nachdem wir unser vorläufiges Ziel Bangkok erreicht haben hieß es erstmal ausruhen. Die langen Flüge, Schlafmangel, die Zeitverschiebung von 11 Stunden und die brütende Hitze in der Stadt machen uns in den ersten Tagen zu schaffen. Nachdem wir uns aklimatisiert haben, unternehmen wir kleine Streifzüge durch die pulsierende Hauptstadt Thailands, aber zuviel wollen wir uns noch nicht ansehen, denn ein paar Tage später bekommen wir Besuch von Kathis Eltern und auf uns wartet ein vollen Touri-Sightseeing-Programm. Die Freude am Flughafen ist natürlich riesengroß, als wir uns nach über einem Jahr Weltreise wiedersehen. Im Hotel angekommen heißt es erstmal „Bescherung“ für uns – nachdem wir alles ausgeladen haben, ist bei den beiden ein Koffer leer und unserer zum Platzen prall gefüllt mit Leckereien aus der Heimat, neuen Wasserfiltern und allerlei nützlichem Zeugs für uns 🙂 Sogar ein Stollen und zwei Salamis sind dabei! Weihnachten kann kommen … Doch auch die thailändische Küche ist fantastisch: Wir futtern uns an kleinen Straßenständen durch allerlei Nudel- und Reisgerichte, Suppen, Sushi und Dinge, deren Namen wir nicht kennen. Da wir die thailändische Schrift nicht lesen können, weil diese aussieht wie eine hübsche Bordüre an der Wand, nicht jeder Essensstand Bildchen hat, und wir außer dem Wort für „Reis“ und „nicht scharf“ kein Wort Thai können, ist es meistens eine Überraschung für uns, was letztendlich tatsächlich auf unserem Teller landet. Aber bisher war alles sehr schmackhaft, wenn auch mitunter höllisch scharf. Außerhalb Bangkok wird das Schärfeverständnis allerdings noch einmal neu definiert und wir lernen schnell, dass „nicht scharf“ in Deutschland und Thailand zwei grundsätzlich verschiedene Dinge sind und man sich auch nicht auf „a little bit spicy“ einlassen sollte, wenn man für die nächsten Stunden seine Geschmerksnerven funktionsfähig wissen möchte …

In den zwei gemeinsamen Wochen mit Kathis Eltern unternehmen wir eine Rundreise im Mietwagen. Kathis Vater ist Fahrer. Hier herrscht Linksverkehr … alle fahren auf der falschen Seite. Die spinnen, die Briten! Martin ist der Copilot und passt auf, dass wir nicht doch aus Versehen auf der falschen-richtigen Seite landen. Kathi ist Navigatorin sowie Reiseleiterin und Kathis Mutti hat Urlaub ;-). Wir besichtigen einige der weltberühmten Höhepunkte Thailands: Die alte Königsstadt Ayutthaya, den Geschichtspark von Sukothai, das Elephant Conservation Center bei Lampang sowie den Hellfire Pass in Kanchanaburi. Ein ziemlich straffes Programm für uns und nachdem eine Sehenswürdigkeit die andere gejagt hat, können wir uns zum Abschluss der gemeinsamen Reise am Strand von Hua Hin nochmal so richtig verwöhnen lassen. Aber auch diese schöne Zeit ging viel zu schnell vorbei.

Die Eltern sind mittlerweile wieder in kalten deutschen Landen und bei uns ist wieder Schmalhans der Küchenchef. Obwohl, beklagen können wir uns nicht wirklich. Denn ein kurzer Flug bringt uns in die malaysische Hauptstadt Kuala Lumpur und der kulturelle Mix hier ist mehr als nur überwältigend. Und das schlägt sich auch in der Küche nieder: Zum Frühstück essen wir europäisch, zum Mittagessen gibt’s chinesisch, zwischendurch gesunde Snacks wie die leckerste Mango, die saftigste Ananas oder die süßeste Jackfruit der Welt. Die fantastische indische Küche und ein holländisches Bier am Abend runden den kulinarischen Tagesablauf ab. Und das Beste: Im Gegenzug zu Thailand können wir endlich wieder alles entziffern, was auf den Schildern geschrieben steht.

In den nächsten Tagen erwarten wir dann die Ankunft „unseres“ Containerschiffs im Hafen Port Klang und hoffen, bald wieder on the road zu sein, denn mit dem Rucksackreisen können wir uns irgendwie nicht (mehr) wirklich anfreunden. Was gibt es schöneres, als nach einem Tag voller Erlebnisse in einer ganz anderen Welt am Abend im vertrauten, eigenen, sauberen Bett zu liegen und was gibt es besseres, als dass dieses Bett auch noch vier Räder hat!?